Kurz duschen?
Nö!
Für viele Menschen ist Duschen einfach…
duschen.
Kurz ins Bad.
Wasser an.
Fertig.
Mein Gehirn macht daraus teilweise ein komplettes Infrastrukturprojekt.
Nicht weil ich nicht duschen WILL.
Sondern weil zwischen:
„Ich sollte duschen“ und „Ich dusche jetzt“ gefühlt noch 800 Zwischenschritte liegen.
Wann duschen?
Jetzt sofort?
Erst Kaffee?
Aber dann bin ich danach nass und erschöpft.
Wo ist mein Handtuch?
Hab ich danach Kleidung?
Muss ich Haare waschen?
Dann föhnen?
Dann ist wieder alles warm.
Dann klebt alles.
Dann muss ich danach erstmal 40 Minuten existieren lernen.
Und während andere Menschen einfach duschen,
sitze ich teilweise da
und starre innerlich auf diese Aufgabe,
als müsste ich einen mittelgroßen Verwaltungsakt starten.
Das Absurde ist:
Wenn ich erstmal unter der Dusche bin,
ist es oft völlig okay.
Der Kampf ist vorher.
Und ich glaube, genau das verstehen viele Menschen bei ADHS nicht.
Es geht oft nicht darum, etwas nicht zu wollen. Sondern dass selbst kleine Dinge plötzlich unfassbar viele Prozesse gleichzeitig auslösen.
Duschen ist dann nicht einfach Hygiene.
Sondern:
Reizwechsel.
Aktivierung.
Übergang.
Energieverbrauch.
Planung.
Sensorik.
Temperatur.
Entscheidung.
Und an schlechten Tagen fühlt sich genau das schon an, als hätte mein Gehirn dafür eigentlich keine freien Kapäzutäten mehr.
„Ich wollte doch eigentlich einfach nur duschen.“
Und mein Nervensystem antwortet:
„Kurz duschen? Nö.“