Kat 2.0
Wie ich als ADHS-lerin maskiere
Es kann ja nicht so schwer sein:
sich ein bisschen anzupassen.
Freundlich sein.
Sich zusammenreißen.
Nicht jede Emotion sofort zeigen.
Angemessen Handeln...
Das heißt für mich; ich muss Maskieren ("Masken")
Es fühlt sich oft nicht an wie eine Maske.
Sondern eher wie:
eine komplett gebaute Version meiner selbst.
Eine sozial verträgliche Version.
Eine Kat 2.0.
Und die schicke ich dann los.
Vor allem auf Messen.
Netzwerkveranstaltungen.
Veranstaltungen mit viel Smalltalk und „Blabla“.
Da sitze oder stehe ich manchmal und fühle mich wie eine andere Person.
Interessiert. Offen. Witzig. Mitfühlend.
Aber alles davon kontrolliert.
Nicht zu laut.
Nicht zu emotional.
Nicht zu intensiv.
Nicht zu ehrlich.
Nicht zu viel.
Während mein eigentliches Ich innerlich daneben steht
und denkt: „Ich passe hier nicht hin. Ich passe da nicht rein.“
Und vor allem: „Wenn ich wirklich ich selbst wäre, würde ich hier stören.“
Also kontrolliere ich mich.
Mein Reden.
Meine Gefühle.
Meine Impulse.
Meine Reaktionen.
Ich will Menschen ständig ins Wort fallen.
Nicht weil ich respektlos bin, sondern weil Gedanken und Reaktionen sofort aus mir herauswollen.
Wenn ich nicht maskiere, rede ich schnell. Viel. Zu lange.
Ohne Punkt und Komma. Ich sprudle. Ich lache laut. Ich weine schnell. Ich sage sofort, was ich denke. Ich kann manchmal kaum warten, bis ich „dran“ bin. Und ehrlich?
Das fühlt sich eigentlich gut an. Lebendig.
Gelöst.
Echt.
Aber gleichzeitig existiert in mir diese tiefe Angst:
Zu viel zu sein.
Zu laut.
Zu emotional.
Zu anstrengend.
Zu intensiv.
Ich glaube, deshalb maskiere ich schon fast mein ganzes Leben. So früh, dass ich heute teilweise gar nicht mehr weiß,
was eigentlich wirklich ich ist und was nur eine Strategie geworden ist. Ich entdecke das gerade erst.
Und das Verrückte ist: Die meisten Menschen merken überhaupt nicht, wie schlecht es mir manchmal geht.
Eigentlich nie. Ich müsste es direkt sagen. Ich glaube,
ich habe meine Masken einfach sehr schön ausdekoriert und geschminkt, sodass niemand dort etwas Falsches entdecken könnte.
Und Maskieren kostet Energie. Sehr viel Energie.
Ich mache innerlich oft fast schon eine Energieberechnung.
Wenn ich hier funktioniere — wie tot bin ich danach?
Nicht wirklich tot natürlich. Aber erschöpft.
Leer.
Stillgelegt.
Manchmal füer Tage. Vor allem nach vielen Menschen.
Familie. Sozialen Situationen. Veranstaltungen.
Weil ich dort die ganze Zeit gleichzeitig: fühle,
scanne, kontrolliere, moderiere, reguliere und funktioniere.
Selbst Mitgefühl wird manchmal kontrolliert.
Ich zeige Verständnis, ohne selbst loszuheulen,
obwohl ich die Gefühle meines Gegenübers eigentlich sofort mitfühlen kann. Und manchmal frage ich mich,
wie andere Menschen das schaffen. Einfach da zu sein.
Ohne sich permanent selbst zu überwachen.
Ich glaube, die größte Aufgabe meines Lebens ist gerade,
meine Energie besser zu verstehen. Im Moment fühlt es sich an, als hätte ich ein Energiekonto.
Es gibt Dinge, die Energie einzahlen.
Und viele Dinge, die Energie verbrauchen.
Und meine Aufgabe ist jetzt wahrscheinlich,
besser mit dieser Energie umzugehen.
Mehr Dinge zu finden, die Energie einzahlen.
Und aufzuhören, mich permanent selbst auszusaugen, nur damit andere mich einfacher finden. Ich stehe damit ehrlich gesagt noch ganz am Anfang. Im Moment schaue ich mir oft eher hilflos dabei zu,
wie schlecht ich eigentlich als Energieverwalterin bin. 😄